Konzertkritik im Westfälischen Volksblatt zum Frühjahrskonzert 2006
Lebhaftes Klangbild in der »Morgenstimmung«
Collegium Musicum: Anne Riesenberger ein Glücksfall
28.02.06Von Andrea Auffenberg
Paderborn (WV). Zu einem anspruchsvollen Orchesterkonzert hatte das »Collegium musicum« Paderborn am Sonntagabend in die Aula der Kaiserpfalz eingeladen. Am Anfang des gut zweistündigen Programms stand Franz Schuberts Symphonie Nr. 6 C-Dur, ein Werk, das der Komponist seinerzeit auf Geschmack und Können von Wiener Musikliebhabern zuschnitt. Unter der exakten und bestimmten Leitung von Claus Hütterott setzten die Musikerinnen und Musiker des Orchesters in der verheißungsvollen Introduktion des »Adagio« erste gezielte Akzente und schufen ein äußerst lebendiges Klangbild, das vor allem durch die Punktgenauigkeit von Flöten und Oboen getragen wurde. Nach der ersten Euphorie zeigte sich dann im »Andante« eine leicht verschobene Kooperation der organisch einheitlich musizierenden Holzbläser und der etwas schwammig einsetzenden Violinen.
Dies jedoch konnte vom Dirigenten in weiten Teilen wieder aufgefangen werden. Nach einem agilen Finale folgte Johan S. Svendsens »Romanze für Violine und Orchester« (op. 28). Als ein regelrechter Glücksgriff erwies sich hierbei die Verpflichtung der 1978 in Paderborn geborenen Solistin Anne Riesenberger, die ihrem Instrument mit gesicherter Notengenauigkeit und hohem Stilgefühl einen akribisch weichen und wogenden Klang entlockte. Nach der Pause stand das Werk »Miriam's Dance« des selbst zum Konzert angereisten niederländischen Komponisten Peter Veen auf dem Programm.
Beschrieben wird die Geschichte von Miriam, der Prophetin des Alten Testaments und Schwester von Moses und Aaron. Nach einer zunächst langsam-düsteren Einleitung bildeten Pauken und Streicher den Hintergrund vor den dramatisch aufspielenden Bläsern, bevor der Rhythmus stärker und unruhiger wurde. Dabei setzte der Komponist auf filmmusikalische Effekte und verzichtete in seinem eher konservativ geprägten Werk weitgehend auf zeitgenössische musikalische Spielereien. Das Ergebnis war ein durchweg klangvolles Orchesterwerk, das durch den Einsatz von Solovioline und Klarinette an Klarheit und Dynamik gewann.
Edvard Griegs »Peer-Gynt-Suite I« bildetete den stimmungsvollen Ausklang. Während die Musiker im ersten Satz »Morgenstimmung« ein schwungvolles und lebhaftes Klangbild entwickelten, fehlte es den Streichern im zweiten und dritten Satz etwas an Elan, was sich dann auf die Intonation und Ausführung der manchmal uneinheitlich gestalteten Melodielinien auswirkte. Der letzte Satz schließlich wurde wieder ausgewogen interpretiert und bildete den lebhaft beklatschten Abschluss einer reizvollen musikalischen Darbietung.
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